Kursinhalte

Der Lehrgang umfasst insgesamt 16 Module, innerhalb derer Theorie und Praxis der Alphabetisierungsarbeit eng verknüpft sind. Er ist in zwei Blöcke mit jeweils 8 Modulen gegliedert. Jedes Modul umfasst fünf Unterrichtseinheiten à 45 Minuten. Die Module werden in dreiwöchigem Rhythmus an insgesamt acht Wochenenden (Fr/Sa) durchgeführt.

Hier eine Kurzdarstellung der Modulinhalte. Bitte beachten Sie, dass sich die Reihenfolge der Module in den einzelnen Durchgängen des Lehrgangs ändern kann.

 

Modul 1:    Ziele und Inhalte der Alphabetisierungsarbeit mit Migranten

Ausgehend vom Stellenwert schriftsprachlicher Kompetenzen in unserer Gesellschaft werden die Anforderungen an die Alphabetisierungsarbeit mit Migranten erschlossen. Des Weiteren werden Rahmenbedingungen wieder institutionalisierte Unterricht in Integrationskursen mit Alphabetisierung und die diesbezüglichen Vorgaben im „Vorläufigen Konzept" des BAMF analysiert und auf ihre Praktikabilität hin untersucht. Weiterere Schwerpunkte dieser Veranstaltung sind die unterschiedlichen Zielgruppen und ihre Besonderheiten im Bereich Deutsch als Zweitsprache.


Modul 2:    Soziokulturelle, interkulturelle und lernerbiographische Aspekte

Anhand von Beispielen einzelner Lernerbiographien werden in diesem Modul individuelle Ursachen von Analphabetismus und ihre Konsequenzen für den zweitsprachlichen Alphabetisierungsunterricht thematisiert. Auch der Einfluss gesellschaftlicher Faktoren wie Migrations- und Bildungserfahrungen wird hierbei diskutiert. In einem weiteren Schritt sollen Konzepte zur Bewältigung vorhandener Problemlagen wie z.B. das im anglo-amerikanischen Raum bewährte Konzept der family literacy vorgestellt werden.


Modul 3:    Theoretische Grundlagen des Schriftspracherwerbs

In diesem Modul stehen grundsätzliche Überlegungen zum Ablauf von Lernprozessen beim Schriftspracherwerb im Mittelpunkt. Alphabetische und andere Schriftsysteme, Phonem-Graphem-Korrespondenzen im Deutschen sowie in relevanten Erstsprachen, typische Entwicklungsphasen sowie auch Lernstörungen werden in diesem Modul thematisiert. Außerdem werden Modelle zur zweisprachigen Alphabetisierung und zur Alphabetisierung in der Erstsprache zur Diskussion gestellt.


Modul 4:    Methoden und Methodenvielfalt im Alphabetisierungsunterricht

Ausgehend von der extremen Heterogenität der Lernergruppen im Bereich Deutsch als Zweitsprache werden verschiedene Methoden sowohl zum Erwerb elementarer Kompetenzen als auch zu deren Ausbau im Unterricht mit fortgeschrittenen Lernern vermittelt. Auch die Grenzen der einzelnen Methoden sollen hierbei zur Sprache kommen. Anschließend werden Möglichkeiten des binnendifferenzierten Einsatzes der verschiedenen Ansätze anhand praktischer Beispiele aufgezeigt und diskutiert.


Modul 5:    Einstufung, Beratung, Beurteilung von Teilnehmenden

Da die Beratung zur Wahl eines möglichst passenden Kurses selbst von sehr erfahrenen DaZ-Lehrkräften in der Praxis häufig als problematisch wahrgenommen wird, beschäftigen sich die Teilnehmenden in diesem Modul mit Möglichkeiten der Lernstandsdiagnose (sowohl mündlich als auch schriftsprachlich), mit bereits existierenden Einstufungsverfahren sowie mit Instrumentarien zur Überprüfung des Lernfortschritts im Laufe des Alphabetisierungsprozesses. Anhand schriftlicher Beispiele werden diesbezüglich typische Probleme aus der Praxis aufgezeigt und Lösungsvorschläge erarbeitet.


Modul 6:    Grammatikvermittlung im Alphabetisierungsunterricht

Wie die Vermittlung grammatikalischer Grundbegriffe und insbesondere grammatikalischer Kompetenzen ohne Unterstützung durch schriftsprachliche Elemente erfolgen kann, wird in diesem Modul behandelt. Dabei geht es in einem ersten Schritt um die Entwicklung des Sprachbewusstseins bei den Lernern. In einem zweiten Schritt werden die Vorgehensweisen bei Auswahl und Vermittlung einzelner grammatikalischer Phänomene sowie der Umgang mit zu erwartenden Schwierigkeiten thematisiert.


Modul 7:    Phonologische Bewusstheit

Zentrales Thema dieses Moduls ist das genaue Hören und Sprechen als eine der Grundlagen des Alphabetisierungsprozesses. Dabei werden neben der Ausbildung einer phonologischen Bewusstheit und der auditiven Differenzierung auch Möglichkeiten der Arbeit mit dem Sprachrhythmus sowie der Verknüpfung von phonologischen und morphologischen Aspekten vermittelt. Die TeilnehmerInnen erhalten Einblick in bestehende Konzepte zur schriftbezogenen Förderung von Sprachbewusstheit und setzen diese für die Praxis der zweitsprachlichen Alphabetisierungsarbeit um.


Modul 8:    Kontrastive Alphabetisierung

Unterrichtsansätze, die die Erstsprache der Teilnehmer eines Alphabetisierungskurses so weit wie möglich einbeziehen, werden sowohl im „Vorläufigen Konzept" des BAMF als auch in der einschlägigen Literatur als besonders vielversprechend beschrieben. In welcher Form die Erstsprache beim Schriftspracherwerb genutzt werden kann, in welchen Phasen des Unterrichts dies geschehen sollte und welche Schwierigkeiten sich in der Praxis ergeben können, wird in diesem Modul vermittelt und kritisch diskutiert.


Modul 9:    Lernerautonomie

Die Nachhaltigkeit des Alphabetisierungsprozesses ist eine Forderung, die auch bei der Arbeit mit Migranten ein zentrales Anliegen ist. Deshalb wird in diesem Modul ausgehend vom Lernbegriff die Frage diskutiert, wie man am besten lernt. Anhand verschiedener offener Unterrichtsformen (z.B. Stationen-Lernen, Werkstattunterricht) wird konkretisiert, wie die Lernbedürfnisse der Kursteilnehmer Eingang in das Curriculum finden und wie der Transfer des im Unterricht Erlernten in den Alltag gewährleistet werden kann. Dabei geht es insbesondere auch darum, wie Lerner angeleitet werden können, ihre schriftsprachlichen Kompetenzen auf verschiedene Textsorten des täglichen Bedarfs anzuwenden und dabei selbstständig weiter zu lernen.


Modul 10:  Handlungsorientierte Unterrichtskonzepte

Der bereits in Modul 8 formulierte Anspruch auf Transfer von Unterrichtsinhalten in den Alltag wird hier vertieft. Dabei geht es gleichermaßen um die Gestaltung von handlungsorientiertem Alphabetisierungsunterricht im Sinne eines ganzheitlichen Lernens mit Kopf, Hand und Herz wie auch um ein praxisorientiertes Verständnis des Konzepts der sprachlichen Handlung, wie es auch dem Gemeinsamen Europäischen Referenzrahmen zugrunde liegt. Im Vordergrund stehen u.a. Möglichkeiten der Lehrkräfte, gezielt mit authentischen Materialien (z.B. Formulare, Broschüren, Telefonbücher) und Situationen zu arbeiten und die Lerner schrittweise an den selbstständigen und selbstbewussten Umgang mit diesen heranzuführen.


Modul 11:  Wortschatzvermittlung ohne Schrift

In diesem Modul soll behandelt werden, wie DaZ-Lerner ohne oder mit nur geringen Schriftkenntnissen ihren Wortschatz selbstständig, systematisch und nachhaltig ausbauen können, z.B. durch den Einsatz von Bild-Karteien und Bild-/ Lernerwörterbüchern. Semantisierungstechniken für die Lehrkraft und Möglichkeiten der binnendifferenzierten Wortschatzarbeit werden auf der Grundlage der Unterrichtserfahrungen der Teilnehmenden im DaZ-Bereich gemeinsam im Hinblick auf den Alphabetisierungsunterricht reflektiert.


Modul 12:  Bilder und Visualisierungen im Alphabetisierungsunterricht

Im Alphabetisierungsunterricht sind Bilder mehr noch als bei der regulären Vermittlung des Deutschen als Zweitsprache ein wichtiges Medium, das gerade bei geringen schriftsprachlichen Kenntnissen die Vermittlung von Inhalten maßgeblich unterstützen und erleichtern kann. Dieses Modul behandelt daher die Verwendung von Bildern in gängigen Alphabetisierungslehrwerken, thematisiert die unterschiedlichen Funktionen von Bildern im Hinblick auf zielgruppenadäquate Lernziele und regt zur Erprobung von Visualisierungstechniken und zu einem spielerischen Umgang mit ihnen an.


Modul 13:  Lehrwerke sowie verfügbare und selbst hergestellte Materialien

Bezug nehmend auf die Empfehlungsliste des BAMF werden gängige und auch weniger bekannte Lehrwerke vorgestellt und von den Teilnehmern auf ihre Zielsetzungen, methodischen Ansätze und Verwendbarkeit in der Praxis hin untersucht. Außerdem werden einige so genannte „graue" Materialien gesichtet, an deren Beispiel die eigenständige Entwicklung von Unterrichtsmaterial im Kursalltag exemplarisch beleuchtet und anschließend erprobt werden soll.


Modul 14:  PC-Einsatz, Internet und Medien in der DaZ-Alphabetisierung

Für den Einsatz bei der Alphabetisierung funktionaler Analphabeten deutscher Muttersprache gibt es zahlreiche Angebote, sowohl im Internet als auch in Form von Software, die den Unterricht erleichtern und abwechslungsreicher gestalten sollen. Inwieweit diese Materialien sich für die Alphabetisierung erwachsener Migranten eignen oder auf diese Zielgruppe angepasst werden können, ist neben der Nutzung klassischer Medien eines der zentralen Themen dieses Moduls.


Modul 15:  Transfer-Aspekte: Stundenplanung, Mikro-Teaching, Selbstreflexion,
                Unterrichtsevaluierung, Rollenverständnis

In diesem Modul sollen die Lehrkräfte durch Bewusstmachung und Reflexion der eigenen Unterrichtserfahrungen im DaZ-Bereich deren Übertragbarkeit auf die Planung, Durchführung und Evaluation von Alphabetisierungsunterricht prüfen. Weiterhin wird die Sequenzierung von Unterrichtsphasen unter Einbezug der bereits behandelten Methoden an konkreten Stundenentwürfen thematisiert.


Modul 16:  Zwischen Alphabetisierung und niedrigschwelligem DaZ-Unterricht

„Brückenbau" für fortgeschrittene Lerner im BAMF-Konzept: Mit dem Ziel, die Kursteilnehmer eines Alphakurses nach erfolgreich verlaufener Alphabetisierung in einen Integrationskurs langsamer Progression weiter zu vermitteln, empfiehlt das „Vorläufige Konzept" des BAMF Brückenkurse. Daher wird in diesem Modul behandelt, wie die Teilnehmer in diesen Kursen durch die Schulung von Lernstrategien, sprachlicher Bewusstheit und Lehrwerkswissen auf die Anforderungen eines regulären Kurses vorbereitet werden können. Außerdem wird diskutiert, wie in diesem Zusammenhang Themen aus der Grundbildung miteinbezogen werden können.